Russland verliert – nicht nur auf dem Schlachtfeld. Die Frühjahrsoffensive ist gescheitert, fast 500 Quadratkilometer Terrain wurden aufgegeben, die Wirtschaft schrumpft, die Goldreserven schwinden, und täglich sterben russische Soldaten für einen Krieg, dessen Ende nicht absehbar ist.

Putin steckt in einer gefährlichen Falle: Er kann seinen Bürgern keinen Sieg präsentieren. Und genau das macht ihn unberechenbar.

Diktatoren in der Defensive brauchen keine Lösungen – sie brauchen Feinde. Einen Gegner, der groß genug ist, um die eigene Niederlage zur Heldengeschichte umzudeuten. Die NATO wäre für Putin ideal: Sollte das Bündnis als aktiver Kriegspartei wahrgenommen werden, könnte er sagen – *wir haben nicht gegen die Ukraine verloren, wir kämpfen gegen den Westen*. Artikel 5, der Bündnisfall, wäre dann nicht die Katastrophe, die er nach außen darstellt – sondern Putins innenpolitische Rettung.

Deshalb ist die Logik der Eskalation so beunruhigend: Jede Provokation – ob im Luftraum, auf See oder im Cyberraum – ist kein Fehler. Es ist Kalkül. Jeder Vorfall wird gezielt einen Schritt weiter gehen als der vorherige.

Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob Russland weiter provoziert. Sie lautet: Wie lange hält das System Putin noch – und wie schützen wir uns in der Zeit bis zu seinem Zusammenbruch?

Pin It on Pinterest

Share This
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner