Es sollte der große Triumph werden. Stattdessen wurde die Militärparade zum 9. Mai 2026 zum unfreiwilligen Spiegel eines Krieges, den Russland im fünften Jahr noch immer nicht gewonnen hat.
Die Feierlichkeiten waren wohl die kürzesten in der Geschichte Russlands: Putins Rede dauerte nur wenige Minuten, die Parade war nach einer Dreiviertelstunde vorbei. Eine abgespeckte Vorstellung – und das bei dem Datum, das Putin wie kein anderes für seine Propaganda nutzt.
Wegen der gespannten Sicherheitslage gab es diesmal nicht die übliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer Militärtechnik. Ausgerechnet beim wichtigsten Aufmarsch des Jahres fehlt das schwere Gerät – weil es gebraucht wird. An der Front. In einem Krieg, der nicht enden will.
Inhaltlich bot Putin das gewohnte Repertoire: Russische Soldaten stünden einer „aggressiven Streitmacht“ gegenüber, die von der gesamten NATO bewaffnet und unterstützt werde. Der Schlüssel zum Erfolg liege in moralischer Stärke, Mut, Tapferkeit und Einigkeit. Tapferkeit – das ist das Wort, das Despoten bemühen, wenn sie keine Ergebnisse vorweisen können. Moralische Stärke als Ersatz für militärischen Fortschritt.
Bisher ist nicht in Sicht, wie Putin seine Kriegsziele in der Ukraine auch im inzwischen fünften Jahr der Invasion erreichen will. Die Rede ließ genau das unbeantwortet: Wie soll dieser Krieg enden? Zu welchem Preis? Für wen?
Besonders zynisch wirkt der Rahmen: Pünktlich zum „Tag des Sieges“ hatte Donald Trump dem Kreml-Chef ein besonderes Geschenk gemacht und eine dreitägige Waffenruhe angekündigt – eine Feuerpause, die laut ukrainischem und russischem Generalstab kaum eingehalten wurde.
Der 9. Mai soll an den Sieg über den Nationalsozialismus erinnern – ein legitimes, wichtiges Gedenken. Doch Putin instrumentalisiert diesen Tag seit Jahren, um einen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland zu rechtfertigen. Das ist nicht Erinnerung. Das ist Missbrauch der Geschichte.
Der abgespeckte Aufmarsch gilt als Symbol für die Lage in Putins seit mehr als vier Jahren andauerndem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kein Panzer auf dem Roten Platz. Keine überzeugenden Antworten. Nur die immer gleiche Erzählung vom unvermeidlichen Sieg – die mit jeder Wiederholung hohler klingt.

