Zum vierten Jahrestag des Überfalls
Die Bilder, die am Morgen des 24. Februar 2022 über die Fernsehbildschirme flimmerten, hatten etwas Unwirkliches: Luftangriffe, Panzerkolonnen und kilometerlange Staus an den ukrainischen Grenzübergängen. Kurz zuvor noch hatte Moskau jeden Gedanken an einen Angriff als westliche Propaganda abgetan. Doch dann rückte Russlands Militär tatsächlich in das Land ein, dem es 1994 – als Gegenleistung für den Verzicht auf Atomwaffen – die Unverletzlichkeit seiner Grenzen schriftlich garantiert hatte. Ein Land, dessen Menschen Putin mit schwülstiger Rhetorik als „Brudervolk“ bezeichnet.

Rückblickend ist dieser Krieg mehr als ein historischer Einschnitt. Er ist, um Olaf Scholz‘ vielzitiertes Wort aufzugreifen, tatsächlich eine Zeitenwende. Zum ersten Mal seit 1945 hat auf europäischem Boden ein Staat einen anderen auf diese Weise militärisch überfallen. Zugleich markierte Putins Angriff auch das von vielen inzwischen beschworene Ende der „regelbasierten internationalen Ordnung“ – einer Ordnung, an die sich mittlerweile leider auch andere Akteure, darunter die USA, nicht mehr gebunden fühlen.
Am härtesten trifft es die Ukrainerinnen und Ukrainer. Das geht im täglichen Nachrichtenlärm über Friedensgespräche, Kreml-Forderungen und Sanktionsdebatten allzu leicht unter. Russland hat der Ukraine Butscha und Mariupol angetan. Bis heute schickt es Nacht für Nacht Drohnen und Raketen auf Wohnhäuser, legt Großstädte in Dunkel und Kälte. Dieser Krieg ist ein Verbrechen – und genau deshalb muss Europa fest an der Seite Kiews stehen.