Lutz Franke - Der Liberale aus der Altmark

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Freitag, 03. September 2010

„Wir schwimmen für das Waldbad Zichtau“

lautet das Motto des ersten Sponsorenschwimmen am Ende der Badesaison im Zichtauer Waldbad. Es ist eine wunderbare Idee, die Astrid Läsecke, die Fördervereinsvorsitzende, da hatte.

Autor: Lutz Franke

Eine gute Idee, die sich nahtlos in die vielen ehrenamtlichen Aktivitäten zum Erhalt des Waldbades Zichtau oder Dähre oder vieler anderer Freibäder des Landkreises einreiht.

Denn klar ist: ohne die Freibäder büßen die Gemeinden weiter Lebensqualität ein. So wird es beispielsweise schwerer, Kindern das Schwimmen beizubringen oder sinnvolle und attraktive Freizeitangebote zu machen. Klar ist aber auch, in den Gemeinden und Kommunen regiert der Rotstift und oft muss er bei den kulturellen, sozialen und sportlichen Einrichtungen angesetzt werden. Das ist kein böser Wille der kommunalen Vertreter oder der Verwaltungen. Welcher Stadt- oder Gemeinderat schließt schon gerne Freibäder, Dorfgemeinschaftshäuser oder Sportplätze? Aber wären Salzwedel, Kalbe oder Gardelegen Unternehmen, dann würden sie nicht mehr existieren. Dann hätte der Insolvenzverwalter die Mitarbeiter nach Hause geschickt, das Licht ausgemacht und die Tore verriegelt. Und die Gläubiger hätten ihr Geld abgeschrieben.

Doch Salzwedel, Kalbe oder Gardelegen sind Städte. Man kann sie nicht einfach schließen. Auch wenn Geld fehlt müssen die Städte und Gemeinden ihre Pflichtaufgaben für die Bürger erfüllen. Für Schulbildung, Sozialleistungen, Straßenbau, Feuer- und Katastrophenschutz oder Stadtentwicklung werden Steuerbeiträge vom Bürger verlangt. Also hat der Bürger auch das Recht diese Leistungen zu erhalten. Aber unser Leben in den Städten und Gemeinden macht mehr aus als nur das Notwendigste. Wir Bürger wollen auch Sportstätten, Bibliotheken, Kultureinrichtungen und Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren. Und diese Angebote können die Kommunen freiwillig anbieten. Können wenn sie können. Das Einbrechen der Steuereinnahmen im Zuge der Finanzkrise, die Neureglungen des Finanzausgleiches in Sachsen-Anhalt und die Gemeindegebietsreform haben viele Freiwilligen Aufgaben der Gemeinden in frage stellen lassen.

Wann immer man Sparvorschläge formuliert, stößt man zu Recht bei den Bürgern auf Widerstand. Sie sehen nicht ein, dass sie mehr zahlen und dafür weniger bekommen sollen. Wozu denn noch einen Bürgermeister oder einen Landrat wählen, wenn der keinerlei Spielraum mehr hat? Wenn er – egal, von welcher Partei er stammt – nur noch gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben erfüllen kann?

In Zichtau schwimmt man für das Waldbad, in Salzwedel kann man für die Flora spielen und in Kalbe tanzt man vielleicht bald für das Kulturhaus. Das ehrenamtliche Engagement von vielen Bürgern ist gefragt und in der Bürgergesellschaft unverzichtbar. Sicherlich sind Ideen zu Sponsoring, Aktionen und Benefiz wichtige Ergänzungen, auf die man nicht verzichten kann und darf. Doch ohne finanzielle Spielräume der Gemeinden, Städte und Kommunen für die Erfüllung freiwilliger Aufgaben geht es auch nicht.